Selbstversuch: Verzicht auf mobiles Internet – Woche1

Bei den Reaktionen von Freunden und Familie auf diesen Selbstversuch war von Neugier über Bewunderung bis zum Unverständnis alles dabei und äußerte sich in Formulierungen wie den folgenden:

Warum machst du das denn?
Von jetzt auf gleich drauf verzichten, das könnte ich nicht!
Wozu soll das denn gut sein!? Wie kann man sich das Leben nur so schwer machen…

Wie schon gesagt, geht es mir darum, meine Gewohnheiten zu hinterfragen und auf eine gesunde Ebene zu holen. Dazu bedarf es erstmal einer gewissen Entzugskur. In dieser Zeit werde ich hoffentlich merken, ob das Problem akut ist. Im nächsten Schritt kann man nach Alternativen für die Nutzung des mobilen Internets suchen sowie den Einsatz diverser Apps unterwegs. Auf dieser Grundlage kann ich hoffentlich im Nachhinein sagen, ob mobiles Internet tatsächlich unverzichtbar ist und wenn es so ist, ob ich vielleicht mit den neuen Erkenntnissen trotzdem mit deutlich weniger mobilem Datenvolumen auskomme. Ich bin sehr gespannt, was ich in den nächsten 4 Wochen lernen werde. Allein aus diesem Grund lohnt es sich schon diesen Selbstversuch zu starten!

Und nun zur 1. Woche des Selbstversuchs: Die ersten Tage empfinde ich als entspannend. Mir fällt es leicht auf Internet zu verzichten. Das Wochenende hingegen stellt sich als echter Härtetest heraus!

Alles easy!

Die ersten Tage lasse ich die „neue Situation“ einfach auf mich wirken. Als Ersatz für das Internet nehme ich mir weder Bücher noch Musik mit. Alles fühlt sich irgendwie ruhiger und gelassener an. Ich nehme Menschen um mich herum wahr, bekomme Unterhaltungen mit und werde angesprochen, woraus sich teilweise tolle Gespräche ergeben. Offenbar wirkt man viel offener, wenn man sich nicht hinter seinem Smartphone versteckt und degoat-pet-meadow-goats-kidn Leuten auch mal ins Gesicht schaut. Auch entdecke ich ein Ziegengehege, das sich neben der Bahnstrecke zur Arbeit befindet (verrückt – habe ich vorher nicht gesehen). Dabei kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen – das muss ein Zeichen sein… 😀
Zum ersten Mal seit Langem, habe ich das Gefühl, dass es auch ok ist, mal nichts zu machen.

Umstellung

Ich kann viele Dinge nicht sofort erledigen, wie ich das bisher gemacht habe. Fällt mir etwas ein, das ich recherchieren, organisieren oder kommunizieren möchte, muss ich das für später notieren, wenn ich WLAN und Zeit habe. Einige Sachen erledigen sich so von selbst, wie z.B. etwas abzuklären (meist wurde das in Gruppen bereits erledigt). Ich reduziere meine Zeit im Internet um 2 Stunden am Tag, die ich zur und von der Arbeit brauche. Ich fokussiere mich stärker auf konkrete Ziele und surfe weniger aus Langeweile. Die Online-Konversationen (teilweise belangloses Bla-bla) von Freunden und Familie reduzieren sich auf das Notwendigste, weil der Druck weg ist, immer und sofort auf alles antworten zu müssen. Ich kann mich kurz einbringen, wenn ich Zeit habe, ohne immer an der kompletten Unterhaltung beteiligt sein zu müssen.
Einige Male erwische ich mich dabei, wie ich mein Handy checke (Gewohnheiten über Gewohnheiten…), obwohl es keinen Mucks von sich gegeben hat – ich könnte ja etwas überhört haben! Ist das zwanghaft? Vielleicht. Lächerlich ist das allemal!


Wie es aussieht, geht es aber nicht nur mir so. Einer Studie zufolge schauen wir alle öfter aufs Handy als gedacht – bis zu 88 Mal am Tag!
Wollt ihr euer Smartphone-Verhalten näher analysieren? Dann probiert die App Menthal aus.


Entzugserscheinungen

Wifi-Wüste Deutschland? Von wegen man kann überall WLAN nutzen!
Die Orte, an denen ich WLAN erwartet habe (Cafés, Bars), hatten entweder keins oder es funktionierte nicwifi_desert_germanyht (aus welchen Gründen auch immer: Signalstärke zu schwach, Anmeldeseite kaputt usw.).

Vergangenes Wochenende stand der Junggesellenabschied einer guten Freundin an. Bedeutete für mich: Frühes Aufstehen am Samstagmorgen, den ganzen Tag unterwegs sein und abends weggehen. Da ich bei einer Freundin übernachtet habe, kam ich erst Sonntagnachmittags heim. Und das war hart! Die meiste Zeit hieß es für mich: No Internet Connection. 😥
Wir hatten uns ein Weinköniginnen-Programm überlegt: Für den Start ein Sektfrühstück, gefolgt von einer Wanderung zu einem Weingut, die mit einer Weinprobe gekrönt werden sollte. Anschließend ein kleines Picknick, dann gemeinsames fertig machen für den Abend, Essen gehen und dann Tanzen. Unserer Junggesellin wollten wir eine gesellige Zeit mit ihren liebsten Mädels schenken. Ein unvergesslicher Tag: Wir hatten eine echt tolle Zeit!
Was den Selbstversuch angeht, habe ich mich als nervös und unausgeglichen wahrgenommen. Nicht über das Internet erreichbar zu sein oder auch schnell mal etwas googlen zu können (auch wenn es nur der Anschluss der öffentlichen Verkehrsmittel ist), fühlt sich unnatürlich an. Es ist etwas deutlich Anderes eine Stunde auf Internet zu verzichten, als einen ganzen Tag.
Als ich endlich zu später Stunde bei meiner besten Freundin im WLAN war, hatte ich 153 WhatsApp-Mitteilungen, einige E-Mails, die NachrichtenApp hatte auch einiges zu melden und auch bei Instagram und Pinterest hatte sich was getan. Diverse Updates aktualisierten automatisch meine Apps und machten mein Handy unfassbar langsam. Es war tiefste Nacht und ich war todmüde – deshalb war nur eine schnelle Nummer drin: Messages checken, das Nötigste beantworten, alle unwichtigen Benachrichtigungen löschen (jetzt mal ehrlich: Manchmal muss man Prioritäten setzen! Schlafentzug ist ein gutes Druckmittel… 😉 ) und raus. Fertig!
Hatte ich etwas Lebenswichtiges verpasst, während ich nicht online war? Nein.
Hatte ich ein gutes Gefühl dabei? Nein, nicht erreichbar zu sein (außer über Anruf und SMS 😛 ) und die ständige Angst etwas zu verpassen, ist echt mies.
Wäre ich ruhiger gewesen, wenn ich ab und zu alles hätte checken können? Ja, ich denke schon.

Die erste Woche ist vorbei und noch würde ich die Frage, ob ich ohne mobiles Internet leben kann (und will), ganz klar mit NEIN beantworten…

Hier geht’s zu den anderen Teilen des Selbstversuchs: Motivation, Woche 2, Woche 3, Woche 4

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3 comments: On Selbstversuch: Verzicht auf mobiles Internet – Woche1

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